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ANTIEMETIKA — LERNMODUL
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Medikamente im
Rettungsdienst

Antiemetika
Metoclopramid (MCP) + Ondansetron
Phase 1 — Einführung

Antiemetika
Metoclopramid (MCP) & Ondansetron

Substanzklassen
Dopamin-Antagonist (MCP) + 5-HT₃-Antagonist (Ondansetron)

Übelkeit und Erbrechen sind häufige Symptome im Rettungsdienst — ob nach Analgetika-Gabe, postoperativ oder bei Schwindel. Die richtige Wahl des Antiemetikums kann den Patientenkomfort erheblich verbessern und Komplikationen wie Aspiration verhindern.

In diesem Modul lernst du zwei zentrale Antiemetika kennen: MCP und Ondansetron — Wirkung, Dosierung, Nebenwirkungen und wann welches die bessere Wahl ist. 🚀

So sieht es aus

Antiemetika
Darreichungsform: Glasampullen
Konzentration: MCP 10mg/2ml + Ondansetron 4mg/2ml
Handelsname: MCP / Ondansetron
Phase 1 — Einführung

Handelsnamen & Darreichungsformen

Metoclopramid (MCP)

  • Paspertin® — Ampullen 10 mg / 2 ml (i.v.)
  • Auch als Tropfen und Tabletten verfügbar (klinik-/ambulant)

Ondansetron

  • Zofran® — Ampullen 4 mg / 2 ml (i.v.)
  • Auch als Schmelztablette verfügbar (z.B. Zofran Zydis®)
Pyramidenprozess 2024
Indikation: Starke Übelkeit und Erbrechen
Beide Wirkstoffe sind im Rettungsdienst für die Behandlung von Übelkeit und Erbrechen zugelassen.
Phase 2 — Kernwissen

Wirkmechanismus

Zwei unterschiedliche Ansätze gegen Übelkeit. Tippe auf eine Karte:

MCP 💊

D₂-Antagonist am Chemorezeptor-Triggerzone (CTZ)

→ Blockiert Dopamin → antiemetisch

5-HT₄-Agonist im GI-Trakt

→ Fördert Magenentleerung → prokinetisch

⚠️ D₂-Blockade = EPMS-Risiko!

Ondansetron 💊

Selektiver 5-HT₃-Antagonist

→ Blockiert Serotonin-Rezeptoren an CTZ und N. vagus

→ Rein antiemetisch (nicht prokinetisch)

✅ Keine D₂-Blockade = kein EPMS-Risiko!

💡 Merke
MCP = Dopamin-Blocker → wirkt, aber EPMS möglich
Ondansetron = Serotonin-Blocker → wirkt ohne EPMS
Phase 2 — Kernwissen

Dosierung — Übersicht

Medikament Dosis Route Max/Tag
MCP
Paspertin®
10 mg i.v. langsam
(>3 min!)
i.v. 30 mg
Ondansetron
Zofran®
4 mg i.v. langsam i.v. 16 mg
⚠️ CAVE — MCP Injektion
MCP immer langsam i.v. injizieren — mindestens über 3 Minuten!
Schnelle Injektion erhöht das Risiko für EPMS und Akathisie erheblich.
⚡ Merkhilfe
MCP: 10 mg — 3 Minuten — 30 mg/Tag (10-3-30)
Ondansetron: 4 mg — langsam — 16 mg/Tag (4-16)
Phase 2 — Kernwissen

Indikationen

Gemeinsame Indikationen

  • Starke Übelkeit und Erbrechen (PONV)
  • Übelkeit nach Analgetika-Gabe (z.B. Opioide)
  • Übelkeit bei Gaströnteritis / Kinetose

MCP — Besonderer Vorteil

  • Prokinetische Wirkung → fördert Magenentleerung
  • Sinnvoll bei Gastroparese, diabetischer Neuropathie

Ondansetron — Besonderer Vorteil

  • Kein EPMS-Risiko → sicherer bei Risikogruppen
  • Bevorzugt bei jungen Frauen, Kindern, Parkinson-Patienten
  • Chemotherapie-induziertes Erbrechen (CINV)
📋 Protokoll
Pyramidenprozess 2024: Starke Übelkeit und Erbrechen
Beide Medikamente sind für den NotSan freigegeben.
Phase 2 — Kernwissen

Kontraindikationen

MCP (Paspertin®)

❌ Kontraindikationen MCP
  • Kinder <1 Jahr
  • Mechanischer Ileus
  • Phäochromozytom
  • Epilepsie
  • Morbus Parkinson (D₂-Blockade verschlechtert Symptome!)

Ondansetron (Zofran®)

❌ Kontraindikationen Ondansetron
  • QT-Verlängerung (angeboren oder erworben)
  • Schwere Leberschäden
⚠️ CAVE
Bei Parkinson → kein MCP! Stattdessen Ondansetron verwenden.
Bei bekannter QT-Verlängerung → kein Ondansetron! Stattdessen MCP verwenden.
Phase 2 — Kernwissen

Nebenwirkungen

MCP 💊

🚨 EPMS!
Extrapyramidalmotorische Störungen: Dyskinesien, Dystonie, Torticollis
😰 Akathisie
Quälende Bewegungsunruhe, Sitzunruhe
😴 Weitere
Müdigkeit, Durchfall

Ondansetron 💊

🤕 Kopfschmerzen
Häufigste Nebenwirkung
🚽 Obstipation
Durch 5-HT₃-Blockade im GI-Trakt
❤️ QT-Verlängerung
Dosisabhängig, EKG-Monitoring!
⚠️ CAVE — EPMS bei MCP
EPMS treten besonders häufig bei jungen Frauen auf!
Antidot bei EPMS: Biperiden (Akineton®) 2,5–5 mg i.v. langsam
Phase 2 — Kernwissen

Vergleich: MCP vs. Ondansetron

MCP (Paspertin®) Ondansetron (Zofran®)
Klasse D₂-Antagonist + 5-HT₄-Agonist 5-HT₃-Antagonist
Dosis 10 mg i.v. (>3 min) 4 mg i.v. langsam
Max/Tag 30 mg 16 mg
Prokinetisch ✅ Ja ❌ Nein
EPMS-Risiko ⚠️ Ja! ✅ Nein
QT-Risiko ✅ Gering ⚠️ Ja!
Trend Klassiker, bewährt Zunehmend bevorzugt
💡 Fazit
Ondansetron wird zunehmend bevorzugt, da keine EPMS auftreten.
MCP bleibt sinnvoll, wenn eine prokinetische Wirkung gewünscht ist.
Phase 3 — Fallbeispiel 🚨

Einsatz: Starke Übelkeit

📟 Leitstelle — Einsatzmeldung
Dienstagmorgen, Aufwachraum Chirurgie.

„RTW 14A, Nachforderung Aufwachraum Klinik Süd. 28-jährige Patientin, Z.n. laparoskopischer Appendektomie. Starke Übelkeit, wiederholtes Erbrechen trotz Ersttherapie. Patientin soll verlegt werden, toleriert aber keinen Transport."

Ihr trefft die Patientin im Aufwachraum an. Sie liegt seitlich auf der Liege, eine Nierenschale in der Hand, und erbricht wiederholt gallig. Die OP-Schwester berichtet: „Sie hat vor 90 Minuten 10 mg MCP bekommen, aber es wirkt überhaupt nicht. Sie kann nichts bei sich behalten."

Phase 3 — Fallbeispiel 🚨

Ersteinschätzung

HF
102
RR
118/72
SpO₂
97%
AF
18
GCS
15
Temp
37,2°C

Befund:

  • Wiederholtes Erbrechen (>5× in letzter Stunde)
  • 28 Jahre, weiblich, schlank, Nichtraucherin
  • Z.n. Laparoskopie mit Allgemeinanästhesie
  • Intraoperativ: Fentanyl + Sevofluran
  • Keine Allergien, keine Vorerkrankungen
  • MCP 10 mg i.v. vor 90 min → ohne Effekt

Frage: Welches Medikament ist jetzt die sinnvollste Wahl?

Phase 3 — Fallbeispiel 🚨

Warum Ondansetron?

Richtig — Ondansetron ist hier die beste Wahl! Drei Gründe:

  • MCP hat nicht gewirkt → Wirkstoffwechsel sinnvoll
  • Junge Frau → hohes EPMS-Risiko bei erneuter MCP-Gabe!
  • Postoperativ + Opioide → 5-HT₃-Antagonist gut wirksam

Frage: Welche Nebenwirkung ist bei Ondansetron besonders zu beachten?

Phase 3 — Fallbeispiel 🚨

Szenario-Wechsel: EPMS!

📟 Zweites Szenario
Anderer Einsatz, gleicher Tag:

Eine 22-jährige Patientin erhielt vor 20 Minuten MCP 10 mg i.v. gegen Übelkeit. Nun zeigt sie plötzlich unwillkürliche Zungenbewegungen, eine Verkrampfung der Halsmuskulatur (Torticollis) und ist extrem ängstlich.

Frage: Was ist passiert und was ist das Antidot?

Phase 3 — Fallbeispiel 🚨

Verlauf

Du gibst Biperiden (Akineton®) 2,5 mg i.v. langsam.

Nach 3 Minuten:

  • Zungenbewegungen sistieren
  • Torticollis löst sich
  • Patientin ist erleichtert, aber noch ängstlich
✅ Lernpunkt
EPMS durch MCP sprechen schnell auf Biperiden an. Denk daran:
▶ Biperiden = Anticholinergikum → hebt die D₂-Blockade funktionell auf
▶ Patientin über Ursache aufklären und dokumentieren!
▶ Kein MCP mehr bei dieser Patientin → Ondansetron als Alternative

Frage: Welche Patientengruppe hat das höchste EPMS-Risiko bei MCP?

Phase 4 — Quiz 🧠

Wissenscheck!

Mal sehen, was hängengeblieben ist. 10 Fragen — manche leicht, manche knifflig. Viel Erfolg! 💪

Frage 1 / 10

Zu welcher Substanzklasse gehört Metoclopramid (MCP)?

Phase 4 — Quiz 🧠

Frage 2 / 10

Wie lautet die Standarddosis von Ondansetron i.v.?

Phase 4 — Quiz 🧠

Frage 3 / 10

Über wie viele Minuten muss MCP mindestens i.v. injiziert werden?

Phase 4 — Quiz 🧠

Frage 4 / 10

Welche gefürchtete Nebenwirkung hat MCP, die Ondansetron NICHT hat?

Phase 4 — Quiz 🧠

Frage 5 / 10

Wie heißt das Antidot bei EPMS durch MCP?

Phase 4 — Quiz 🧠

Frage 6 / 10

Welche Kontraindikation gilt NUR für Ondansetron?

Phase 4 — Quiz 🧠

Frage 7 / 10

Welches Antiemetikum hat zusätzlich eine prokinetische Wirkung?

Phase 4 — Quiz 🧠

Frage 8 / 10

Was ist die maximale Tagesdosis von MCP?

Phase 4 — Quiz 🧠

Frage 9 / 10

Bei welcher Vorerkrankung ist MCP kontraindiziert?

Phase 4 — Quiz 🧠

Frage 10 / 10

Warum wird Ondansetron zunehmend gegenüber MCP bevorzugt?

🏆 Ergebnis

Geschafft!

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