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Atemwegsmanagement
RTW 14A
0 XP
📚 Lernmodul

Atemwegsmanagement

Von den Grundlagen bis zum schwierigen Atemweg — alles, was du als NotSan wissen musst.

💨

Modul 1: Grundlagen

Anatomie, einfache Techniken, Absaugung

🦾

Modul 2: Extraglottische Atemwege

Larynxtubus, Larynxmaske, I-Gel

📈

Modul 3: Kapnographie

CO2-Monitoring und Kurveninterpretation

🌬️

Modul 4: Beatmung

BVM, Medumat, NIV/CPAP, DOPES

⚠️

Modul 5: Schwieriger Atemweg

LEMON, CICO, Koniotomie

🎯

Abschlussquiz

20 Fragen — teste dein Wissen!

💨 Modul 1

Anatomie & Physiologie der Atemwege

Das Fundament jeder Atemwegssicherung

🧬 Obere Atemwege

  • Nase & Nasopharynx: Erwärmung, Befeuchtung, Filterung der Atemluft
  • Oropharynx (Mundraum): Häufigste Stelle der Atemwegsverlegung — Zungengrund!
  • Larynx (Kehlkopf): Stimmbänder, Epiglottis — Schutz vor Aspiration

🧬 Untere Atemwege

  • Trachea: ca. 10-12 cm lang, 16-20 C-förmige Knorpelspangen
  • Bifurkation: Aufzweigung in linken und rechten Hauptbronchus
  • Bronchialbaum: Weitere Verzweigungen bis zu den Alveolen
  • Alveolen: ca. 300 Mio. — Gasaustauschfläche ca. 100 m²
💡 Klinische Relevanz

Der Zungengrund ist die häufigste Ursache einer Atemwegsverlegung beim bewusstlosen Patienten. Er fällt durch den Verlust des Muskeltonus nach hinten und verschliesst den Pharynx.

⚡ Pathophysiologie

Mechanische Verlegung:

  • Zurückfallen des Zungengrunds
  • Fremdkörper (Nahrung, Erbrochenes)
  • Blutungen, Sekrete
  • Trauma (Frakturen)

Schwellung/Ödem:

  • Anaphylaxie — Angioödem
  • Inhalationstrauma
  • Infektionen (Epiglottitis, Abszess)
  • Postoperativ
💨 Modul 1

Einfache Atemwegstechniken

Erste Maßnahmen bei Atemwegsverlegung

🤚 Reklination mit Kinnanhebung

1
Eine Hand auf die Stirn des Patienten legen
2
Fingerspitzen der anderen Hand unter das Kinn
3
Kopf vorsichtig nach hinten neigen, Kinn anheben

Kontraindikation: Verdacht auf HWS-Trauma → nur Esmarch-Handgriff!

✋ Esmarch-Handgriff

1
Beidseits am Kieferwinkel greifen
2
Unterkiefer nach ventral (vorne) ziehen
3
Mund dabei öffnen (Triple Airway Maneuver)

Vorteil: Anwendbar auch bei V.a. HWS-Trauma mit Inline-Stabilisierung!

🟢 Güdel-Tubus (OPA)

  • Oropharyngealer Atemweg
  • Nur bei bewusstlosen Patienten (kein Würgereflex!)
  • Einführung: Mit Spitze zum Gaumen, dann 180° drehen
  • Hält Zungengrund von der Rachenhinterwand fern

🟡 Wendl-Tubus (NPA)

  • Nasopharyngealer Atemweg
  • Auch bei eingeschränkt bewussten Patienten möglich
  • Mit Gleitmittel in ein Nasenloch einführen
  • Sicherheitspin verhindert Abrutschen
📝 Merkhilfe: Größenwahl

Güdel-Tubus: Mundwinkel → Ohrläppchen (am Gesicht anlegen und messen!)

Wendl-Tubus: Nasenspitze → Ohrläppchen — Durchmesser ca. wie kleiner Finger des Patienten

💨 Modul 1

Absaugtechniken

Freimachen und Freihalten der Atemwege

🧹 Equipment

Absaugpumpe:

  • Elektrisch (Akkubetrieb auf RTW)
  • Sog: mind. -300 mmHg / 40 kPa
  • Manüll (Notfall-Backup)

Absaugkatheter:

  • Starrer Yankauer-Katheter (Oropharynx)
  • Flexibler Katheter (tiefer, durch Tuben)
  • Größe: Charriere (Ch) = Aussendurchmesser

🔧 Durchführung

1
Absauganlage prüfen & Sog einstellen
2
Passenden Katheter wählen (Yankauer für Oropharynx)
3
OHNE Sog einführen bis zur gewünschten Tiefe
4
Sog aktivieren und unter drehender Bewegung zurückziehen
5
Max. 10-15 Sekunden am Stück absaugen!
⚠️ Fehlerqüllen & Gefahren
  • Zu langes Absaugen → Hypoxie!
  • Vagale Stimulation → Bradykardie möglich
  • Schleimhautverletzungen durch zu aggressives Vorgehen
  • Nicht-funktionsfähiges Equipment — immer vorab prüfen!
💨 Modul 1

Fremdkörperverlegung

Vom Heimlich-Handgriff bis zur Magillzange

🔴 Erkennung

Milde Verlegung:

  • Patient kann noch husten
  • Sprechen möglich
  • Zum Husten ermutigen!

Schwere Verlegung:

  • Kein effektiver Husten möglich
  • Zunehmende Atemnot, Zyanose
  • Universelles Erstickungszeichen

🛠️ Maßnahmen bei schwerer Verlegung

1
5 Rückenschläge zwischen die Schulterblätter
2
5 Oberbauchkompressionen (Heimlich-Handgriff) — NICHT bei Schwangeren/Säuglingen!
3
Alternieren bis Erfolg oder Bewusstlosigkeit
4
Bei Bewusstlosigkeit: CPR beginnen!

🔬 Erweiterte Maßnahmen (NotSan)

  • Laryngoskopie: Direktes Einsehen des Rachenraums unter Sicht
  • Magillzange: Gezielte Extraktion sichtbarer Fremdkörper unter laryngoskopischer Sicht
  • Absaugung von flüssigem Material
  • Bei Misserfolg: Extraglottischen Atemweg erwägen
📝 Merkhilfe: A-B-Problem nach ABCDE

Die Atemwegssicherung ist immer A vor B! Erst den Atemweg sichern (A = Airway), dann die Beatmung optimieren (B = Breathing). Ohne offenen Atemweg ist keine Beatmung möglich!

💨 Modul 1 — Zusammenfassung

Grundlagen: Das Wichtigste

✅ Kernaussagen

  • Zungengrund = häufigste Ursache der Atemwegsverlegung beim Bewusstlosen
  • Reklination ist Standardtechnik, Esmarch bei HWS-Trauma
  • Güdel nur bei Bewusstlosen, Wendl auch bei eingeschränkt Bewussten
  • Absaugung: Max. 10-15 Sek., ohne Sog einführen, mit Sog zurückziehen
  • Fremdkörper: 5 Schläge / 5 Kompressionen alternieren
  • Magillzange nur unter Sicht verwenden!
📝 Alle Merkhilfen Modul 1

🟢 Güdel: Mundwinkel → Ohrläppchen

🟡 Wendl: Nasenspitze → Ohrläppchen

🔴 A vor B: Atemweg sichern VOR Beatmung!

🦾 Modul 2

Extraglottische Atemwegssicherung

Supraglottische Alternativen zur endotrachealen Intubation

❓ Wann extraglottisch?

Indikationen:

  • Reanimation (CPR)
  • Bewusstloser Patient ohne Schutzreflexe
  • Fehlgeschlagene Intubation
  • NotSan-Kompetenz (SAA/BPR)
  • Schwieriger Atemweg als Rückfallebene

Kontraindikationen:

  • Erhaltene Schutzreflexe (Würgereiz)
  • Verätzungen im Oropharynx
  • Bekannte Ösophaguspathologie (rel.)
  • Atemwegsobstruktion unterhalb Larynx
💡 Merke

Extraglottische Atemwege liegen oberhalb der Stimmritze (supraglottisch) und bieten keinen sicheren Aspirationsschutz — im Gegensatz zum Endotrachealtubus.

🦾 Modul 2

Systeme im Vergleich

Larynxtubus, Larynxmaske und I-Gel

KriteriumLarynxtubus (LT)Larynxmaske (LMA)I-Gel
Cuff2 Cuffs (pharyngeal + oesophageal)1 Cuff (perilaryngeal)Kein Cuff (thermoplastisch)
AspirationsschutzBedingt (oesophagealer Cuff)GeringGering
DrainagekanalJa (Magenentlastung)Ja (2. Generation)Ja
PlatzierungBlind, einfachBlind, etwas ÜbungBlind, sehr einfach
Max. Beatmungsdruckca. 20-30 cmH2Oca. 20-30 cmH2Oca. 20-30 cmH2O
GrößenauswahlNach KörpergrößeNach KörpergewichtNach Körpergewicht
📝 Merkhilfe: I-Gel Größen

Größe 3: 30-60 kg | Größe 4: 50-90 kg | Größe 5: >90 kg

I-Gel = kein Cuff = kein Blocken nötig = schnellste Platzierung!

🦾 Modul 2

Einführungstechniken

Korrekte Platzierung und Cuff-Management

🦾 Larynxtubus — Einführung

1
Größe wählen (nach Körpergröße — Farbcodierung beachten)
2
Cuff-Test durchführen, dann entblocken
3
Spitze mit Gleitmittel versehen
4
Am harten Gaumen entlangführen bis Markierung auf Zahnreihe
5
Cuff mit vorgefüllter Spritze blocken (Volumen lt. Herstellerangabe)
6
Lagekontrolle: Beatmung, Auskultation, Kapnographie

🦾 I-Gel — Einführung

1
Größe nach Körpergewicht wählen
2
Gel/Gleitmittel auf die Rückseite der Maske
3
Am harten Gaumen entlang einführen bis Widerstand
4
Kein Blocken nötig! Direkt Lagekontrolle
⚠️ Cuff-Management
  • Immer Cuff-Druckmesser verwenden wenn vorhanden!
  • Ziel-Cuffdruck: max. 60 cmH2O
  • Zu hoher Druck → Schleimhautischämie, Nekrose
  • Zu niedriger Druck → Leckage, kein Aspirationsschutz
🦾 Modul 2 — Zusammenfassung

Lagekontrolle & Zusammenfassung

✅ Lagekontrolle — 3 Säulen

1
Klinisch: Thoraxhebung seitengleich? Atemgeräusch hörbar? Kein Magengerausch?
2
Auskultation: Seitengleich über beiden Lungenfeldern, Epigastrium leise
3
Kapnographie: CO2-Nachweis = Goldstandard! Regelmässige Kurve mit etCO2 35-45 mmHg
📝 Merkhilfe: Extraglottische Atemwege

Vorteile: Einfach, schnell, blind platzierbar, hohe Erfolgsrate

Nachteile: Kein sicherer Aspirationsschutz, begrenzte Beatmungsdrücke

Goldstandard Lagekontrolle: Kapnographie!

📈 Modul 3

Kapnographie — Grundlagen

CO2 als Fenster zum Stoffwechsel

🧪 CO2-Transport und Elimination

  • CO2 entsteht als Stoffwechselendprodukt in den Zellen
  • Transport im Blut: 70% als Bicarbonat, 23% an Hämoglobin gebunden, 7% physikalisch gelöst
  • Abatmung über die Alveolen — abhängig von Ventilation und Perfusion
  • etCO2 (endtidales CO2) = CO2-Konzentration am Ende der Ausatmung

📊 Sidestream

  • Gasprobenentnahme über dünnen Schlauch
  • Messung im Gerät (abseits des Atemwegs)
  • Leichte Verzögerung (~2 Sek.)
  • Auch bei Spontanatmung (Nasenbrille mit CO2-Abnahme)

📊 Mainstream

  • Sensor direkt im Atemstrom
  • Schnelle Messung, kein Probengas
  • Schwerer Sensor am Tubus
  • Typisch bei maschineller Beatmung
💡 Normwerte

etCO2: 35-45 mmHg (4,7-6,0 kPa) | Atemfrequenz: 12-20/min beim Erwachsenen

📈 Modul 3

Kapnographie-Kurven

Kurvenformen erkennen und interpretieren

📈 Normale Kapnographie-Kurve

Die normale CO2-Kurve hat 4 Phasen:

  • Phase I (Inspiration): Baseline bei 0 mmHg (frische Luft)
  • Phase II (Beginn Exspiration): Steiler Anstieg — Totraumluft mischt sich mit Alveolarluft
  • Phase III (Plateau): Alveolarplateau — am Ende der etCO2-Wert
  • Phase IV (Inspiration): Steiler Abfall zurück zur Baseline

⚠️ Pathologische Kurvenformen

KurvenformBedeutungUrsache
Anstieg des etCO2Hypoventilation oder HypermetabolismusZu niedrige AF, Fieber, maligne Hyperthermie
Abfall des etCO2Hyperventilation oder KreislaufproblemZu hohe AF, Hypothermie, Lungenembolie, Schock
Kein CO2 nachweisbarKein Gasaustausch / oesophageale LageFehlintubation, Tubusdiskonnektion, Kreislaufstillstand
Haiflossen-FormObstruktion der AtemwegeBronchospasmus (Asthma, COPD), Sekretverlegung
Wellenförmig schwankendSpontanatmungsversuchePatient atmet gegen das Gerät
📈 Modul 3

Kapnographie — Klinische Anwendung

Einsatzbereiche im Rettungsdienst

❤️ Reanimation (CPR)
  • Qualitätskontrolle der Thoraxkompressionen: etCO2 >10 mmHg = gute Kompressionen
  • ROSC-Erkennung: Plötzlicher, deutlicher Anstieg des etCO2 (>35-40 mmHg)
  • Prognose: etCO2 dauerhaft <10 mmHg nach 20 Min. = schlechte Prognose
🦾 Lagekontrolle Atemweg
  • CO2-Nachweis = Tubus/Atemweg liegt in der Trachea
  • Kein CO2 nach 6 Beatmungen = oesophageale Fehllage!
  • Goldstandard zur Lagekontrolle (S3-Leitlinie)
  • Auch als kontinuierliches Monitoring während Transport
🌬️ COPD / Asthma
  • Typische Haiflossenform durch verlangsamte Exspiration (Air Trapping)
  • Anstieg des etCO2 bei Erschöpfung = Warnzeichen!
  • Therapiekontrolle: Besserung der Kurvenform nach Bronchodilatation
  • Normalisierung der Form = positives Therapieansprechen
💨 Hypo- & Hyperventilation
  • Hyperventilation: etCO2 <35 mmHg, erhöhte AF → CO2-Abfall
  • Hypoventilation: etCO2 >45 mmHg, erniedrigte AF → CO2-Anstieg
  • Wichtig bei Beatmung: Frequenz und Tidalvolumen anpassen!
  • Bei SHT: etCO2-Zielwert 35-40 mmHg (leichte Normoventilation)
📈 Modul 3 — Zusammenfassung

Kapnographie: Das Wichtigste

✅ Kernaussagen

  • etCO2 Normwert: 35-45 mmHg
  • Goldstandard zur Lagekontrolle aller Atemwege
  • Bei CPR: Qualitätskontrolle (>10 mmHg) und ROSC-Erkennung
  • Haiflossenform = Bronchospasmus (COPD/Asthma)
  • Kein CO2 = Fehllage, Diskonnektion oder Kreislaufstillstand
  • Sidestream auch bei Spontanatmung einsetzbar
📝 Merkhilfe: Kapnographie-Schnellcheck

CO2 da? → Atemweg korrekt platziert

CO2 hoch? → Hypoventilation oder Stoffwechsel erhöt

CO2 niedrig? → Hyperventilation, Kreislaufproblem, Hypothermie

CO2 weg? → SOFORT: Diskonnektion? Fehllage? Herz-Kreislauf-Stillstand?

🌬️ Modul 4

Beutel-Masken-Beatmung (BVM)

Die Basistechnik der Beatmung

✋ Der C-E-Griff

Die wichtigste Technik für die Maskenbeatmung:

  • C: Daumen und Zeigefinger umfassen die Maske (bilden ein C)
  • E: Die übrigen 3 Finger greifen am Unterkiefer (bilden ein E)
  • Maske muss dicht auf dem Gesicht aufliegen
  • Gleichzeitig den Kiefer nach vorne ziehen (Esmarch-Effekt)
💡 Beatmungsparameter Erwachsene

Tidalvolumen: 6-7 ml/kg KG (ca. 500 ml)

Frequenz: 10-12/min

Inspirationszeit: ca. 1 Sekunde

O2-Zufuhr: 15 l/min mit Reservoir = nahe 100% FiO2

⚠️ Häufige Fehler
  • Zu hohes Tidalvolumen → Mageninsufflation!
  • Zu schnelle Beatmung → Hyperventilation
  • Undichte Maske → Leckage, ineffektive Beatmung
  • Kein Reservoir angeschlossen → nur 21% O2!

🤝 2-Helfer-Technik

Bevorzugt! Ein Helfer hält die Maske mit beiden Händen (doppelter C-E-Griff), der zweite drückt den Beutel. Deutlich bessere Dichtigkeit und Tidalvolumen!

🌬️ Modul 4

Medumat Standard 2 & NIV

Maschinelle Beatmung im Rettungsdienst

⚙️ Medumat Standard 2

  • Kompaktes Notfall-Beatmungsgerät von Weinmann
  • Modi: IPPV (kontrolliert), SIMV, CPAP, BiLevel
  • Integrierte Kapnographie und SpO2-Monitoring
  • Einstellbare Parameter: VT, AF, PEEP, FiO2, I:E-Verhältnis
  • Alarmgrenzen für Druck, Volumen, Frequenz
  • Automatische Leckagekompensation

🌬️ NIV / CPAP Grundlagen

  • NIV = Nichtinvasive Beatmung über dicht sitzende Maske
  • CPAP = Continuous Positive Airway Pressure (kontinuierlicher Überdruck)
  • Hauptindikation: Akutes Lungenödem, kardiale Dekompensation, COPD-Exazerbation
  • Verbessert Oxygenierung und reduziert Atemarbeit
  • Patient muss kooperativ und wach sein!
  • Startdruck: PEEP 5-10 cmH2O, Druckunterstützung 5-15 cmH2O
⚠️ NIV-Kontraindikationen
  • Bewusstlosigkeit / fehlende Schutzreflexe
  • Aktives Erbrechen / Aspirationsgefahr
  • Gesichtsverletzungen (keine Maskendichtigkeit)
  • Schwerer Schock, Atemstillstand
🌬️ Modul 4

Kontrollierte Beatmung & DOPES

Beatmung bei Narkose und Problemerkennung

📊 Kontrollierte Beatmung bei Narkose

  • Patient ist relaxiert/narkotisiert → keine eigene Atemarbeit
  • Vollständig kontrolliert: VT 6-8 ml/kg, AF 12-16/min
  • PEEP: 5-8 cmH2O (verhindert Atelektasen)
  • FiO2: Nach Bedarf (SpO2-gesteürrt), Start mit 100%
  • etCO2-Monitoring obligat! Ziel: 35-45 mmHg
  • Beatmungsspitzendruck: <30 cmH2O
🚨 DOPES — Beatmungsprobleme systematisch lösen

D = Dislokation — Tubus verrutscht? Zu tief? Herausgerutscht?

O = Obstruktion — Tubus abgeknickt? Sekret? Fremdkörper?

P = Pneumothorax — Spannungspneumothorax? Seitenvergleich!

E = Equipment — Gerät defekt? O2-Flasche leer? Schlauch diskonnektiert?

S = Stomach — Magenüberbläung? Zwerchfellhochstand?

💡 DOPES-Algorithmus

Bei jeder Verschlechterung unter Beatmung: Systematisch DOPES durchgehen! Im Zweifel: Vom Gerät trennen und manüll mit Beutel beatmen — schliesst Equipment-Fehler aus.

🌬️ Modul 4 — Zusammenfassung

Beatmung: Das Wichtigste

✅ Kernaussagen

  • C-E-Griff ist Basis der Maskenbeatmung, 2-Helfer-Technik bevorzugt
  • Tidalvolumen: 6-7 ml/kg, AF 10-12/min, Inspirationszeit 1 Sek.
  • NIV/CPAP bei wachen, kooperativen Patienten mit Lungenödem/COPD
  • Medumat Standard 2: IPPV, SIMV, CPAP, BiLevel als Modi
  • Bei Beatmungsproblemen: DOPES systematisch abarbeiten!
  • Im Zweifel: Vom Gerät disconnecten, Beutelbeatmung
📝 Merkhilfe: DOPES

Dislokation — Obstruktion — Pneumothorax — Equipment — Stomach

→ Bei JEDER Beatmungsverschlechterung durchgehen!

⚠️ Modul 5

Der schwierige Atemweg

Erkennen, vorbereiten, handeln

📝 LEMON-Kriterien — Prädiktoren für den schwierigen Atemweg

L = Look externally — Äussere Auffälligkeiten? Adipositas, kurzer Hals, Bart, Gesichtstrauma?

E = Evaluate 3-3-2 — 3 Finger Mundöffnung, 3 Finger Kinn-Zungenbein, 2 Finger Zungenbein-Schildknorpel

M = Mallampati — Sichtbarkeit der Rachenhinterwand (Grad I-IV)

O = Obstruction — Atemwegsobstruktion? Stridor? Tumor? Abszess?

N = Neck mobility — HWS-Beweglichkeit eingeschränkt? Stiffneck? Morbus Bechterew?

🔍 Wann daran denken?

  • VOR jeder geplanten Atemwegssicherung LEMON evaluieren
  • Adipositas (BMI >30) erhöt Schwierigkeit deutlich
  • Anatomische Varianten, Verletzungen, Voroperationen
  • Frühzeitig Hilfe anfordern (NA, NEF, Klinik vorinformieren)
⚠️ Modul 5

CICO & Koniotomie

Cannot Intubate, Cannot Oxygenate — die Ultima Ratio

🚨 CICO-Algorithmus

Cannot Intubate, Cannot Oxygenate = lebensbedrohlicher Notfall!

1
Hilfe rufen! (NA/NEF, wenn nicht vor Ort)
2
Erneut einfache Maßnahmen: Reklination, Esmarch, Absaugung
3
Extraglottischen Atemweg (LT, I-Gel) versuchen — max. 2 Versuche!
4
BVM mit 2-Helfer-Technik, ggf. mit Güdel/Wendl
5
Wenn ALLES scheitert: Koniotomie!
⚠️ Koniotomie — Ultima Ratio
  • Indikation: CICO-Situation — Patient kann nicht beatmet, nicht intubiert werden
  • Zugang: Ligamentum conicum (zwischen Schild- und Ringknorpel)
  • Technik: Skalpell-Bougie-Technik oder kommerzielles Set
  • Wichtig: Übung am Modell! Im Notfall keine Zeit zum Nachdenken

🏫 Koniotomie — Landmarken

1
Prominentia laryngea (Adamsapfel) tasten
2
Nach kaudal gleiten: Mulde zwischen Schild- und Ringknorpel = Lig. conicum
3
Horizontaler Hautschnitt, dann Stichinzision durch Membran
4
Bougie einführen, darüberTubus (ID 6.0) vorschieben
5
Lagekontrolle: Kapnographie!
⚠️ Modul 5 — Zusammenfassung

Schwieriger Atemweg: Zusammenfassung

🎬 Fallsimulation

Szenario: 58-jähriger, adipöser Mann (BMI 38), allergische Reaktion auf Wespenstich. Zunehmende Schwellung im Gesichtsbereich, Stridor, SpO2 fallen auf 82%. GCS 7.

🤔 Was tust du? (Klick für Lösung)
1
LEMON: Adipositas (L), Schwellung (O) = schwieriger Atemweg erwartet!
2
Sofort: Adrenalin i.m. 0,5 mg (Anaphylaxie-Therapie!)
3
A: Reklination, Esmarch, Absaugung
4
O2: High-Flow O2, BVM bereithalten
5
NA nachfordern! Frühzeitig Klinik vorinformieren
6
Backup: I-Gel/LT + Koniotomie-Set griffbereit!

✅ Kernaussagen Modul 5

  • LEMON-Kriterien VOR jeder Atemwegssicherung evaluieren
  • CICO ist ein seltener, aber lebensbedrohlicher Notfall
  • Max. 2 Versuche pro Atemwegshilfsmittel, dann eskalieren
  • Koniotomie = Ultima Ratio, nur wenn NICHTS anderes funktioniert
  • Lig. conicum = Zugang zwischen Schild- und Ringknorpel
📝 Alle Merkhilfen Atemwegsmanagement

DOPES: Dislokation - Obstruktion - Pneumothorax - Equipment - Stomach

LEMON: Look - Evaluate 3-3-2 - Mallampati - Obstruction - Neck mobility

Güdel: Mundwinkel → Ohrläppchen

Wendl: Nasenspitze → Ohrläppchen

I-Gel: Größe nach Körpergewicht (3/4/5)

A vor B: Immer erst Atemweg sichern!

🎯 Abschlussquiz

Teste dein Wissen!

20 Fragen zum Atemwegsmanagement — Viel Erfolg!