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HEPARIN — LERNMODUL
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Medikamente im
Rettungsdienst

Heparin (unfraktioniert)
Phase 1 — Einführung

Heparin
(unfraktioniert — UFH)

Substanzklasse
Antikoagulans (Gerinnungshemmer)

Heparin ist das zentrale Antikoagulans im Rettungsdienst. Beim akuten Koronarsyndrom (ACS), bei Lungenarterienembolie (LAE) und arteriellem Verschluss verhindert es die weitere Thrombenbildung und ist ein fester Bestandteil des Pyramidenprozesses.

In den nächsten Minuten lernst du alles, was du als NotSan über unfraktioniertes Heparin wissen musst — inklusive Fallbeispiel und Quiz. Los geht's! 🚀

So sieht es aus

Heparin
Darreichungsform: Fertigspritze
Konzentration: 5000 IE
Handelsname: Heparin
Phase 1 — Einführung

Handelsnamen & Darreichungsformen

  • Heparin-Natrium Braun® — Ampullen 5.000 I.E. / 0,5 ml
  • Heparin-ratiopharm® — Ampullen 5.000 I.E. / 1 ml
  • Liquemin® — Ampullen 5.000 / 25.000 I.E.
  • Im Rettungsdienst: typisch 5.000 I.E. Ampullen
Merke
1 Ampulle = 5.000 I.E.
Bei ACS mit ST-Hebung: 1 Ampulle = 1 Dosis — einfach zu merken!
Applikation: i.v. als Bolus
Phase 2 — Kernwissen

Pharmakologie

Heparin wirkt auf die Gerinnungskaskade. Tippe auf eine Karte:

Antithrombin III

🔑 Schlüssel zur Wirkung

Heparin bindet an Antithrombin III (AT III) und verstärkt dessen Wirkung um das 1.000-fache.

→ Ohne ausreichend AT III ist Heparin unwirksam!

Thrombin (IIa)

🛑 Hemmung von Thrombin

Der aktivierte AT-III-Heparin-Komplex inaktiviert Thrombin (Faktor IIa).

→ Fibrinogenumwandlung wird blockiert
→ Keine Fibrinbildung → kein neuer Thrombus

Faktor Xa

Hemmung von Faktor Xa

Zusätzlich hemmt der Komplex Faktor Xa — einen zentralen Faktor der Gerinnungskaskade.

→ Doppelte Blockade = starke Antikoagulation
→ UFH hemmt beide, NMH vor allem Xa

Phase 2 — Kernwissen

Wirkmechanismus — Zusammenfassung

Wirkprinzip
Heparin löst keine bestehenden Thromben auf (kein Fibrinolytikum!), sondern verhindert weiteres Thrombuswachstum und die Bildung neuer Thromben.

Wichtige Kennzahlen

  • Wirkungseintritt: sofort nach i.v.-Gabe (Sekunden)
  • HWZ: dosisabhängig, ca. 60–90 Minuten
  • Wirkdauer: ca. 2–4 Stunden
  • Monitoring: aPTT (aktivierte partielle Thromboplastinzeit)
  • Antidot: Protamin — 1 mg neutralisiert ~100 I.E. Heparin
⚠️ CAVE — Kein Fibrinolytikum!
Heparin kann keinen bestehenden Thrombus auflösen. Dafür braucht man Fibrinolytika (z.B. Tenecteplase). Heparin verhindert nur das Weiterwachsen!
Phase 2 — Kernwissen

Indikationen & Dosierung

Indikation Dosis Route
ACS (STEMI) 5.000 I.E. i.v. Bolus
Lungenarterien-
embolie (LAE)
5.000 I.E. i.v. Bolus
Arterieller
Verschluss
5.000 I.E. i.v. Bolus
📋 Hamburg Handbuch — C7 ACS (Seite 54)
Heparin i.v. — NotSan-Kompetenz
Dosierung: 5.000 I.E. i.v.

Kontraindikationen lt. Protokoll:
▶ Fehlen von ST-Hebung
▶ Einnahme von Antikoagulantien (außer ASS 100 mg)
▶ Blutungsneigung / akutes Trauma
▶ Heparininduzierte Thrombozytopenie (HIT)

Beachte: Die Indikation zur Gabe von ASS und Heparin ist streng zu stellen und darf nur erfolgen, wenn der Notarzt nicht zeitgerecht vor Ort ist.
⚡ Pyramidenprozess
Heparin ist im Pyramidenprozess für ACS, LAE und arteriellen Verschluss freigegeben. Einheitliche Dosis: 5.000 I.E. i.v.
Phase 2 — Kernwissen

Kontraindikationen

❌ Absolute Kontraindikationen
  • HIT (Heparininduzierte Thrombozytopenie)
    Anamnese erfragen! Lebensbedrohliche Komplikation
  • Aktive Blutung / manifeste Blutungsneigung
  • Akutes Trauma mit Blutungsgefahr
  • Einnahme von Antikoagulantien (außer ASS 100 mg)
⚠️ Protokoll-spezifische KI (Hamburg)
  • Fehlen von ST-Hebung
    Ohne ST-Hebung: kein Heparin durch NotSan!
⚠️ CAVE — HIT
Heparininduzierte Thrombozytopenie (HIT Typ II) ist eine schwere, immunvermittelte Komplikation. Thrombozyten fallen ab, paradoxerweise entstehen Thrombosen! Mortalität bis 30%.

Immer fragen: „Haben Sie schon einmal Heparin bekommen? Gab es dabei Probleme?"
🩸 CAVE — Blutungsrisiko
Heparin hemmt die Gerinnung → erhöhtes Blutungsrisiko!
Blutdruckdifferenz > 20 mmHg → an akutes Aortensyndrom denken (Dissektion!) → dann KEIN Heparin!
Phase 3 — Fallbeispiel 🚨

Einsatz: Akutes Koronarsyndrom

📟 Leitstelle — Einsatzmeldung
Montagmorgen, 07:15 Uhr, Bürogebäude Innenstadt.

„RTW 14A, Einsatz Mönckebergstraße 22. 58-jähriger Mann, akuter Thoraxschmerz seit ca. 20 Minuten, ausstrahlend in den linken Arm. Kaltschweißig, Atemnot. Patient bei Bewusstsein."

Ihr trefft den Patienten auf einem Bürostuhl sitzend an. Er presst sich die Faust auf das Brustbein und wirkt ängstlich, blass und schweißnass. Sein Kollege berichtet: „Er hat plötzlich angefangen, sich an die Brust zu fassen. Er sagt, es fühlt sich an wie ein Elefant auf der Brust."

Phase 3 — Fallbeispiel 🚨

Ersteinschätzung

HF
104
RR
155/95
SpO₂
94%
AF
20
GCS
15
Temp
36,4°C

12-Kanal-EKG (< 10 min):

  • ST-Hebung in II, III, aVF > 2 mm
  • Spiegelbildliche ST-Senkung in I, aVL
  • Sinusrhythmus, keine Blockbilder

Frage: Welche Diagnose stellst du?

Phase 3 — Fallbeispiel 🚨

Therapieentscheidung

Du hast einen STEMI (Hinterwandinfarkt) erkannt. Der Notarzt ist nicht zeitgerecht verfügbar. Du legst einen i.v.-Zugang am linken Arm (rechter Arm frei für PCI!) und gibst O₂.

Frage: Welche Medikamente gibst du als NotSan? (Protokoll C7)

Phase 3 — Fallbeispiel 🚨

Wichtige Rückfrage

Bevor du Heparin gibst, musst du eine entscheidende Frage stellen!

Frage: Was musst du VOR der Heparin-Gabe unbedingt erfragen?

Phase 3 — Fallbeispiel 🚨

Verlauf & Transport

Der Patient verneint Antikoagulantien und HIT. Du gibst:

  • ASS 250 mg i.v. langsam
  • Heparin 5.000 I.E. i.v.
  • VEL i.v. langsam
  • EKG an Ziel-KH mit 24h-PCI versenden

Nach 10 Minuten:

HF
96
RR
140/88
SpO₂
96%

Frage: Was ist das wichtigste Transportziel?

📋 Protokoll — Zeitvorgabe
Bei STEMI: Prähospitalintervall < 60 Minuten!
Zugang möglichst am linken Arm legen, rechten Arm für PCI freihalten.
Phase 4 — Deep Dive

CAVE & Nebenwirkungen

⚠️ CAVE — HIT (Typ II)
  • Immunvermittelte Komplikation — Antikörper gegen Heparin-PF4-Komplex
  • Thrombozytenabfall 5–14 Tage nach Erstexposition
  • Paradox: trotz Thrombopenie → Thrombosen!
  • Mortalität bis 30% ohne Therapieumstellung
  • → Bei bekannter HIT: KEIN Heparin! Alternative: Argatroban
🩸 CAVE — Blutungsrisiko
  • Häufigste Nebenwirkung: Blutungen
  • Besonders gefährlich: intrakranielle, retroperitoneale Blutungen
  • Antidot: Protamin i.v. (1 mg pro ~100 I.E. Heparin)

Weitere Nebenwirkungen

🩸 Blutung
Hautblutungen, Nasenbluten, GI-Blutungen, Hämaturie
💉 Lokal
Hautnekrosen an der Injektionsstelle (v.a. bei s.c.)
🦴 Langzeit
Osteoporose bei Langzeittherapie (>6 Monate)
🧪 Labor
Transaminasenanstieg, Hyperkaliämie (Aldosteronhemmung)
Phase 4 — Deep Dive

Wechselwirkungen & Besonderheiten

Wechselwirkungen

  • ASS, Clopidogrel, NOAKs:
    → Blutungsrisiko erheblich erhöht!
  • Fibrinolytika (z.B. Tenecteplase):
    → Synergistisch — aber extremes Blutungsrisiko
  • NSAR (Ibuprofen, Diclofenac):
    → Thrombozytenaggregation↓ + Heparin = Blutungsgefahr
  • Nitroglycerin (GTN):
    → Kann Heparin-Wirkung abschwächen (höhere Dosen nötig)

Besonderheiten

  • HWZ: ca. 60–90 Minuten (dosisabhängig)
  • Antidot: Protamin — einziges spezifisches Antidot
  • Schwangerschaft: plazentagängig? → Nein! Heparin überwindet die Plazenta nicht
  • → Antikoagulans der Wahl in der Schwangerschaft

UFH vs. NMH

UFH (unfraktioniert): Hemmt Thrombin + Xa, kurze HWZ, Protamin als Antidot, gut steürbar
NMH (niedermolekular): Hemmt v.a. Xa, längere HWZ, nur teilweise mit Protamin antagonisierbar

→ Im Rettungsdienst: UFH wegen besserer Steürbarkeit und vollständiger Antagonisierbarkeit
Phase 4 — Deep Dive

ACS-Protokoll — Gesamtübersicht

📋 Hamburg Handbuch — C7 ACS komplett
Symptome: Akuter Thoraxschmerz (AP-typisch), ggf. ausstrahlend, Kaltschweißigkeit, Blässe, ggf. Dyspnoe

Medikamente:
ASS 250 mg i.v. langsam — NotSan
Heparin 5.000 I.E. i.v. — NotSan
VEL i.v. langsam — NotSan & RA

Sonstige Informationen:
▶ O₂ bei SpO₂ < 90% oder Dyspnoe (Ziel: 94–96%)
▶ 12-Kanal-EKG < 10 min nach Erstkontakt
▶ Ziel-KH mit 24h-PCI-Bereitschaft, EKG versenden
▶ RR-Differenz > 20 mmHg → Aortensyndrom?

Erweiterte EKG-Ableitungen:
▶ Hebungen in II, III, aVF > 0,1 mV → V3r–V6r kleben
▶ Senkungen in V1–V3 > 0,05 mV → V7–V9 kleben

Betroffenes Areal:
▶ Vorderwand: V2–V5 (+ggf. I, aVL)
▶ Hinterwand: II, III, aVF (+V3r, V4r bei RV-Beteiligung)
▶ Streng posterior: V7–V9 (+Senkungen V1–V3)
▶ Hauptstammverschluss: aVR, V1 (+Senkungen V4–V6)

Ziel: Prähospitalintervall bei STEMI < 60 Minuten
Phase 5 — Quiz 🧠

Wissenscheck!

Mal sehen, was hängengeblieben ist. 10 Fragen — manche leicht, manche knifflig. Viel Erfolg! 💪

Frage 1 / 10

Zu welcher Substanzklasse gehört unfraktioniertes Heparin?

Phase 5 — Quiz 🧠

Frage 2 / 10

Wie lautet die Heparin-Dosis beim ACS mit STEMI laut Hamburger Protokoll?

Phase 5 — Quiz 🧠

Frage 3 / 10

An welches körpereigene Protein bindet Heparin, um seine Wirkung zu entfalten?

Phase 5 — Quiz 🧠

Frage 4 / 10

Was ist das spezifische Antidot für Heparin?

Phase 5 — Quiz 🧠

Frage 5 / 10

Was ist eine HIT Typ II?

Phase 5 — Quiz 🧠

Frage 6 / 10

Wann darf der NotSan laut Hamburger Protokoll KEIN Heparin geben?

Phase 5 — Quiz 🧠

Frage 7 / 10

Kann Heparin einen bestehenden Thrombus auflösen?

Phase 5 — Quiz 🧠

Frage 8 / 10

Wie lang ist die Halbwertszeit von unfraktioniertem Heparin?

Phase 5 — Quiz 🧠

Frage 9 / 10

Worauf weist eine RR-Differenz > 20 mmHg zwischen beiden Armen beim ACS-Patienten hin?

Phase 5 — Quiz 🧠

Frage 10 / 10

Warum wird im Rettungsdienst UFH statt NMH (z.B. Enoxaparin) bevorzugt?

🏆 Ergebnis

Geschafft!

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