Naloxon ist das spezifische Antidot bei Opioid-Intoxikation.
Es verdrängt Opioide kompetitiv von den µ-Rezeptoren und kann so eine lebensbedrohliche
Atemdepression innerhalb von Sekunden bis wenigen Minuten aufheben.
In den nächsten Minuten lernst du alles, was du als NotSan über Naloxon wissen musst —
inklusive Fallbeispiel und Quiz. Los geht's! 🚀
1 Ampulle = 0,4 mg
Verdünnt 1:10 → 10 ml = 0,4 mg → 1 ml = 0,04 mg (40 µg)
i.v.-Einzeldosis = 0,08 mg = 2 ml der verdünnten Lösung
Phase 2 — Kernwissen
Pharmakologie
Naloxon wirkt als kompetitiver Antagonist an allen Opioid-Rezeptoren. Tippe auf eine Karte:
µ-Rezeptor (Mu)▶
🎯 Hauptangriffspunkt!
→ Naloxon verdrängt Opioide (Heroin, Fentanyl, Morphin) kompetitiv vom µ-Rezeptor → Hebt Atemdepression auf → Hebt Analgesie auf → Hebt Sedierung auf
κ/δ-Rezeptoren▶
🔬 Ebenfalls blockiert
→ Antagonisierung von Sedierung und Dysphorie → Klinisch weniger relevant als µ-Rezeptor-Blockade → Aber: Vollständige Opioid-Antagonisierung möglich!
Pharmakokinetik
Wirkungseintritt i.v.: 1–2 Minuten Wirkungseintritt i.m.: 2–5 Minuten Wirkdauer: 30–45 Minuten (kürzer als die meisten Opioide!) HWZ: ca. 30–90 Minuten
Phase 2 — Kernwissen
Wirkmechanismus
Naloxon bindet mit höherer Affinität an den µ-Opioid-Rezeptor als die meisten Opioide
und verdrängt diese kompetitiv:
Kompetitive Verdrängung — Naloxon „schiebt" das Opioid vom Rezeptor
Keine intrinsische Aktivität — Naloxon selbst hat keinen agonistischen Effekt
Dosisabhängig — Mehr Naloxon = mehr Rezeptoren werden frei
Deshalb: Titrierte i.v.-Gabe! Nicht alles auf einmal!
⚠️ CAVE — Kürzere HWZ als Opioid!
Naloxon wirkt nur 30–45 Minuten, die meisten Opioide aber deutlich länger!
→ Rebounding: Nach Abklingen der Naloxon-Wirkung kann die Atemdepression
erneut einsetzen!
→ Patient muss engmaschig überwacht werden — auch nach initialer Besserung!
💡 Pyramidenprozess
Indikation: Opioid-Intoxikation mit Atemdepression
Ziel: Adäquate Eigenatmung wiederherstellen — NICHT vollständige Antagonisierung!
Phase 2 — Kernwissen
Dosierung — Übersicht
Route
Dosis
Wiederholung
i.m. NotSan
0,4 mg (= 1 Ampulle unverdünnt)
Einzelgabe
i.v. NotSan
0,08 mg (1:10 verdünnt mit NaCl 0,9%)
alle 2 min max. 0,4 mg gesamt
VEL i.v. NotSan & RA
langsam
📋 Hamburger Handbuch — B4: Atemdepression durch Opiate
„RTW 14A, Einsatz Hauptbahnhof Südausgang. Bewusstlose Person,
männlich, ca. 30 Jahre. Keine weiteren Informationen. Passant hat alarmiert."
Ihr trefft auf einen am Boden liegenden Mann in der Unterführung.
Neben ihm liegen Utensilien (Spritze, Löffel, Stauschlauch).
Ein Passant steht daneben: „Ich hab ihn so gefunden, er reagiert auf nichts.
Er atmet ganz komisch, ganz langsam..."
Phase 3 — Fallbeispiel 🚨
Ersteinschätzung
HF
52
RR
90/55
SpO₂
72%
AF
4/min
GCS
3
Pupillen
Miosis
Befund:
Bewusstlos — keine Reaktion auf Schmerzreiz
Atemdepression — AF 4/min, flache Atmung, Zyanose
Beidseits stecknadelkopfgroße Pupillen (Miosis)
Frische Einstichstelle in der linken Ellenbeuge
Stauschlauch am linken Oberarm
Kein Trauma erkennbar
Frage: Welches Bild liegt hier vor?
Phase 3 — Fallbeispiel 🚨
Erstmaßnahmen
Du erkennst die klassische Trias der Opioid-Intoxikation:
Bewusstlosigkeit + Atemdepression + Miosis.
Frage: Was ist deine allererste Maßnahme?
Phase 3 — Fallbeispiel 🚨
Medikamentengabe
Du hast die Atemwege freigemacht und beatmest den Patienten assistiert mit O₂.
Der i.v.-Zugang liegt. Die SpO₂ steigt auf 85%.
Frage: Wie gibst du Naloxon i.v. korrekt?
📋 Protokoll
Naloxon i.v. (NotSan):
0,08 mg (1:10 verdünnt mit NaCl 0,9%)
Repetition: 0,08 mg alle 2 min
Maximaldosis: 0,4 mg i.v. gesamt
Ziel: Adäquate Eigenatmung — NICHT vollständige Wachheit!
Phase 3 — Fallbeispiel 🚨
Verlauf
Du hast 0,08 mg Naloxon i.v. gegeben. Nach 2 Minuten:
AF steigt auf 8/min — noch nicht ausreichend. Du gibst weitere 0,08 mg i.v.
Nach weiteren 2 Minuten:
HF
72
RR
110/70
SpO₂
94%
AF
14/min
GCS
10
Pupillen
mittelweit
Der Patient beginnt zu stöhnen und sich zu bewegen. Die Atmung ist jetzt adäquat.
Frage: Der Patient wird wacher und agitiert. Was beachtest du?
Phase 4 — Deep Dive
CAVE & Nebenwirkungen
⚠️ CAVE — Die 3 großen Gefahren
Opioid-Entzug bei Abhängigen! Agitation, Erbrechen → Aspirationsgefahr! Deshalb titriert dosieren.
Kürzere HWZ als Opioid! Naloxon: 30–90 min vs. Heroin: 2–4h, Methadon: 15–60h! → Rebounding!
Rebounding — Erneute Atemdepression! Nach Abklingen der Naloxon-Wirkung kann die Opioid-Wirkung zurückkehren → Transport obligat!
Nicht-kardiogenes Lungenödem (selten, v.a. bei zu schneller/hoher Dosierung)
📋 Sonstige Information (Hamburger Handbuch)
▶ Antagonisierte Patienten sind häufig unkooperativ und müssen wegen der Gefahr einer erneuten Atemdepression im Krankenhaus überwacht werden.
▶ Eigenschutz bei Intoxikation durch Inhalation mit Carfentanyl beachten!
▶ BTM-Pflaster suchen und vom Körper des Patienten entfernen!
Phase 4 — Deep Dive
Besonderheiten & Praxistipps
Wann i.m. vs. i.v.?
i.m. (0,4 mg): Kein Zugang möglich (z.B. zerstörte Venen bei i.v.-Drogengebrauch)
Schnelle Gabe ohne Zugang — aber weniger steürbar!