⚠️ Hinweis: Dieses Medikament ist kein Standard-RTW-Bestand der BF Hamburg.
Es ist ausschließlich auf dem NEF / beim NA verfügbar. NotSan auf dem RTW werden dieses Medikament im Regelfall nicht vorfinden.
Substanzklasse
Antifibrinolytikum
Tranexamsäure ist das Schlüsselmedikament bei schweren Blutungen im Rettungsdienst.
Es stabilisiert bereits gebildete Gerinnsel und verhindert deren vorzeitigen Abbau —
ein entscheidender Faktor beim hämorrhagischen Schock.
In den nächsten Minuten lernst du alles, was du als NotSan über Tranexamsäure wissen musst —
inklusive Fallbeispiel und Quiz. Los geht's! 🚀
Indikation: Schwere, nicht komprimierbare Blutung / hämorrhagischer Schock Dosis: 1 g i.v. über 10 Minuten (langsam!) Ggf. 2. Gabe: 1 g über 8 h in der Klinik
Applikationsweg: ausschließlich i.v.
⚠️ CAVE — Zeitfenster!
TXA muss innerhalb von 3 Stunden nach dem Trauma gegeben werden!
Danach ist kein Nutzen mehr nachgewiesen — im Gegenteil: eine späte Gabe kann schaden.
→ So früh wie möglich geben!
Phase 2 — Kernwissen
Dosierung — Übersicht
Situation
Dosis
Route / Dauer
Trauma / Blutung Erwachsene (präklinisch)
1 g (2 Amp. à 500 mg)
i.v. über 10 min
2. Gabe (innerklinisch)
1 g
i.v. über 8 h
Kinder (> 12 J.)
15 mg/kg KG (max. 1 g)
i.v. über 10 min
⚡ Applikation merken
IMMER langsam i.v. über mindestens 10 Minuten!
→ Schnelle Injektion kann Krampfanfälle und Hypotonie auslösen!
→ Idealerweise als Kurzinfusion in 100 ml NaCl 0,9%
📋 Praxistipp
Präklinisch: 1 g TXA in 100 ml NaCl 0,9% als Kurzinfusion über 10 min Alternativ: Langsam i.v. über die Spritzenpumpe oder manüll titriert Keine Bolusinjektion!
Hämaturie aus dem oberen Harntrakt (Obstruktionsgefahr)
Disseminierte intravasale Koagulopathie (DIC)
⚠️ CAVE
Bei lebensbedrohlicher Blutung mit hämorrhagischem Schock:
Nutzen-Risiko-Abwägung! In der Regel überwiegt der Nutzen einer frühzeitigen TXA-Gabe.
→ Im Zweifel: Geben!
Phase 3 — Fallbeispiel 🚨
Einsatz: Polytrauma
📟 Leitstelle — Einsatzmeldung
Mittwochabend, 19:45 Uhr, Bundesstraße B75.
„RTW 14A, NAW 3 — Verkehrsunfall PKW gegen LKW. 35-jährige Frau,
Fahrerin eingeklemmt, Feuerwehr vor Ort. Patientin bei Bewusstsein, starke Schmerzen im Becken."
Die Feuerwehr hat die Patientin bereits befreit. Sie liegt auf einer Vakuummatratze am Straßenrand.
Ihr Gesicht ist blass und schweißig. Sie stöhnt vor Schmerzen und gibt an,
ein „Knacken im Becken" gespürt zu haben. Der Beckenring ist instabil.
Kein externer Blutverlust sichtbar, aber der Bauch ist gespannt.
Phase 3 — Fallbeispiel 🚨
Ersteinschätzung
HF
132
RR
78/45
SpO₂
92%
AF
26
GCS
13
Temp
35,8°C
Befund:
Instabiler Beckenring (Kompressionsschmerz)
Gespanntes Abdomen, Abwehrspannung
Blass, kaltschweißig, marmorierte Extremitäten
Schockindex >1,5 (HF/syst. RR = 132/78 ≈ 1,7)
Kein externer Blutverlust — V.a. innere Blutung!
Frage: Welcher Schockgrad liegt am ehesten vor?
Phase 3 — Fallbeispiel 🚨
Therapieentscheidung
Deine Patientin zeigt einen hämorrhagischen Schock Grad III mit V.a.
Beckenfraktur und innere Blutung — nicht komprimierbar. Der Notarzt ist vor Ort.
Du hast zwei großlumige Zugänge gelegt und die Volumentherapie gestartet.
Frage: Welches Medikament zur Blutungskontrolle gibst du zusätzlich zur Volumentherapie?
Phase 3 — Fallbeispiel 🚨
Applikation
Richtig — Tranexamsäure 1 g i.v. bei nicht komprimierbarer Blutung mit hämorrhagischem Schock!
Frage: Wie applizierst du die Tranexamsäure korrekt?
📋 Praxishinweis
TXA NIEMALS als schnellen Bolus geben!
Zu schnelle i.v.-Gabe → Krampfanfälle, Hypotonie!
Idealerweise: 1 g in 100 ml NaCl 0,9% über 10 min als Kurzinfusion.
Phase 3 — Fallbeispiel 🚨
Verlauf
Du hast 1 g Tranexamsäure i.v. über 10 min als Kurzinfusion gegeben —
ca. 45 Minuten nach dem Unfall. Zusätzlich:
Beckenschlinge angelegt
2× großlumige Zugänge — VEL mit kristalloider Lösung
Analgesie durch den Notarzt
O₂ über Maske 10 l/min
Auf dem Transport in den Schockraum:
HF
118
RR
88/55
SpO₂
94%
Frage: Warum war die frühzeitige TXA-Gabe hier besonders wichtig?
Phase 4 — Deep Dive
CAVE & Nebenwirkungen
⚠️ CAVE
Zeitfenster beachten! Gabe nur innerhalb von 3 Stunden nach Trauma sinnvoll — danach kein Nutzen, möglicher Schaden!