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URAPIDIL — LERNMODUL
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Medikamente im
Rettungsdienst

Urapidil (Ebrantil®)
Phase 1 — Einführung

💊 Steckbrief — Urapidil (Ebrantil®)

SUBSTANZKLASSE
α₁-Blocker +
5-HT₁A-Agonist (zentral)
AMPULLE
25 mg / 5 ml
= 5 mg/ml
EINZELDOSIS
5 mg i.v. (= 1 ml)
langsam injizieren
WIRKEINTRITT
2–5 Min nach i.v.
WIRKDAUER
30–60 Minuten
HWZ: 2–3 Std
MAX. DOSIS (NotSan)
25 mg
= 5 × 5 mg
ANTIDOT
❌ Keines
Hypotonie → Volumengabe + Lagerung
BTM / LAGERUNG
❌ Kein BTM
Raumtemperatur, lichtgeschützt
🎯 Kernvorteil gegenüber anderen Antihypertensiva
✅ Keine Reflextachykardie
✅ Keine ICP-Erhöhung
✅ Gut steuerbar durch Titration
Phase 1 — Einführung

Urapidil
(Ebrantil®)

Substanzklasse
Alpha-1-Blocker, zentraler 5-HT1A-Agonist

Urapidil ist das Antihypertensivum im Rettungsdienst. Bei hypertensiven Notfällen, Schlaganfall oder Aortensyndrom — wenn der Blutdruck schnell und kontrolliert gesenkt werden muss, ist Urapidil erste Wahl.

In den nächsten Minuten lernst du alles, was du als NotSan über Urapidil wissen musst — inklusive Fallbeispiel und Quiz. Los geht's! 🚀

Phase 1 — Einführung

Handelsnamen & Darreichungsformen

💉

Ampulle

5 ml = 25 mg Urapidil

Konzentration: 5 mg/ml

📦

Packung

Ebrantil® 25 mg/5 ml

5×5 ml pro Packung

Verfügbare Formulierungen

  • Urapidil — Ampullen 5 ml = 25 mg (i.v.) → im RD verwendet
  • Konzentration: 5 mg/ml · Einzeldosis: 5 mg = 1 ml
  • Urapidil — Ampullen 10 ml = 50 mg (i.v.)
  • Urapidil retard — Kapseln 30 / 60 / 90 mg (p.o.)
  • Im Rettungsdienst ausschließlich i.v.-Formulierung relevant
Merke
1 Ampulle (5 ml) = 25 mg = 5 Einzeldosen
Einzeldosis: 5 mg = 1 ml → immer langsam i.v. titrieren!
Phase 2 — Kernwissen

Wirkmechanismus

Urapidil wirkt über einen dualen Mechanismus — peripher und zentral. Tippe auf eine Karte:

α₁-Blockade (peripher)

🩸 Postsynaptische α₁-Rezeptoren blockiert

→ Vasodilatation der arteriellen Gefäße
→ Peripherer Widerstand ↓
→ Nachlast ↓
→ Blutdruck ↓

5-HT1A-Agonismus (zentral)

🧠 Zentrale Serotonin-5-HT1A-Rezeptoren stimuliert

→ Sympathikustonus ↓
→ Verhindert Reflextachykardie!
→ Dadurch gut steuerbare RR-Senkung
→ Kein „Steal-Effekt" wie bei reinen Vasodilatatoren

Klinischer Vorteil
Durch den dualen Wirkmechanismus senkt Urapidil den Blutdruck ohne relevante Reflextachykardie — im Gegensatz zu vielen anderen Vasodilatatoren. Die Herzfrequenz bleibt weitgehend stabil.
Phase 2 — Kernwissen

Pharmakologie

⏱️ Wirkbeginn
2–5 Minuten nach i.v. Gabe
⏳ Wirkdauer
30–60 Minuten
🔄 HWZ
2–3 Stunden
💊 Metabolismus
Hepatisch, renale Elimination

Indikationen im Rettungsdienst

  • Hypertensiver Notfall mit Endorganschäden
  • Schlaganfall mit hypertensiven Werten
  • Akutes Aortensyndrom
  • Linksherzinsuffizienz mit Hypertonie
  • Hypertensive Krise mit Symptomen
⚠️ Indikationsgrenze
Urapidil nur bei symptomatischer Hypertonie:
Hypertonie mit Endorganschäden
→ Nur symptomatische Hypertonie behandeln!
→ Keine Medikamentengabe bei Hypertonie OHNE Symptome!
Phase 2 — Kernwissen

Dosierung — Übersicht

Indikation Dosis Hinweis
Hypertensiver Notfall
(C6)
5 mg i.v. langsam
Rep. 5 mg nach 2 min
Max. 25 mg
RRsyst muss ≥160 mmHg sein
Ziel: RRsyst max. 20% senken,
nicht unter 160 mmHg
Schlaganfall
(D3)
5 mg i.v. langsam
Rep. 5 mg nach 2 min
Max. 25 mg
RRsyst muss ≥220 mmHg sein
Ziel: RRsyst max. 20% senken
Akutes Aortensyndrom 5 mg i.v. langsam
Rep. 5 mg nach 2 min
Max. 25 mg
Ziel RRsyst <120 mmHg
+ Herzfrequenz-Kontrolle (NA)
Linksherzinsuffizienz 5 mg i.v. langsam
Rep. 5 mg nach 2 min
Max. 25 mg
Bei begleitender Hypertonie
KI: RRsyst <160, Aortenstenose
📋 Hypertensiver Notfall (C6, S. 52)
Urapidil i.v.
KI: RRsyst <160 mmHg, GCS ≤10, Aortenstenose
Dosierung: 5 mg langsam i.v.
Repetition: 5 mg nach 2 min (max. 25 mg)
Blutdruckkontrolle vor jeder Repetition!
Ziel: Symptomfreiheit, RRsyst um max. 20% senken, aber nicht <160 mmHg

Sonstige Informationen:
▶ RR-Messung an beiden Armen
▶ Bei Blutdruckdifferenz gilt der höhere Wert
▶ Keine Medikamentengabe bei Hypertonie ohne Symptome
📋 Schlaganfall (D3, S. 64)
FAST-Kriterien (mind. 1 neu aufgetreten!):
Face: Gesichtsasymmetrie · Arms: Absinken einseitig · Speech: Sprachstörung · Time: Symptombeginn dokumentieren!

Urapidil i.v. (NotSan)
KI: RRsyst <220 mmHg, GCS ≤10, Aortenstenose
Dosierung: 5 mg langsam i.v.
Repetition: 5 mg nach 2 min (max. 25 mg)
Ziel: RRsyst um max. 20% senken

Beachte (BF Hamburg D3):
▶ GCS ≤10 → keine RR-Senkung durch NotSan (mögl. Intubation)
▶ NA-Indikation!
▶ O2-Gabe bei SpO₂ <94% oder Dyspnoe
▶ Ggf. 12-Kanal-EKG vor Ort
▶ Ziel: Prähospitalintervall <60 Minuten!
▶ Indikation Stroke Unit: bis 24h nach Symptombeginn, potenziell lysefähig bis 6h
▶ Bei V.a. ICB/SAB → Zielkrankenhaus mit Neurochirurgie
⚠️ CAVE — RR-Abfall!
Langsam titrieren! Immer nur 5 mg, dann 2 Minuten warten.
Vor jeder Repetition: Blutdruckkontrolle!
Zu schneller RR-Abfall → zerebrale Minderperfusion → Bewusstseinsstörung!
Phase 2 — Kernwissen

Kontraindikationen

❌ Absolute Kontraindikationen
  • Aortenstenose (hämodynamisch relevant)
  • GCS ≤ 10 (Bewusstseinsstörung)
⚠️ Indikationsbezogene KI (Blutdruck-Schwellen)
  • Hypertensiver Notfall: RRsyst <160 mmHg → kein Urapidil
  • Schlaganfall: RRsyst <220 mmHg → kein Urapidil durch NotSan
❌ Weitere Kontraindikationen
  • Bekannte Überempfindlichkeit
  • Schwere Leberinsuffizienz
  • Stillzeit
⚠️ CAVE — Hypertonie OHNE Symptome
Keine Medikamentengabe bei Hypertonie ohne Symptome!
Nur wenn Endorganschäden vorliegen (Kopfschmerz, Sehstörungen, Dyspnoe, Brustschmerz, neurologische Ausfälle) darf behandelt werden.
Phase 2 — Kernwissen

🎯 Entscheidungsbaum — Wann & wie viel Urapidil?

Schritt 1: RR messen (beide Arme) + Symptome?

Keine Symptome → Hypertensive Krise → Nicht-med. Maßnahmen, kein Urapidil

Symptome vorhanden (Kopfschmerz, Sehstörung, Brustschmerz...) → Hypertensiver Notfall → Schritt 2

Schritt 2: Verdachtsdiagnose?

Hypertensiver Notfall
RRsyst ≥ 160 mmHg + Symptome
→ 5 mg Urapidil i.v.
V.a. Schlaganfall
RRsyst ≥ 220 mmHg
→ 5 mg Urapidil i.v.
Akutes Aortensyndrom
Ziel RRsyst < 120 mmHg
→ NA konsultieren!
KI vorhanden?
GCS ≤10 · Aortenstenose
→ KEIN Urapidil!

Schritt 3: Titration

5 mg i.v.
langsam
2 Min
warten + RR
+5 mg
bei RR noch hoch
Max 25 mg
dann NA

Ziel: Max. 20% RR-Senkung · Nicht unter RRsyst 160 mmHg (220 bei Schlaganfall)

Phase 2 — Kernwissen

🤲 Nicht-medikamentöse Maßnahmen VOR Urapidil

✓ IMMER ZUERST — Vor Medikamenten!

RR-Senkung beginnt mit Beruhigung, nicht mit Medikamenten!

Die 4 Säulen der nicht-medikamentösen RR-Senkung

1. Beruhigung & Stressreduktion

  • Ruhig sprechen (Panik/Angst → ↑RR um 20-40 mmHg!)
  • Situation erklären ("Wir kümmern uns um Sie")
  • Vertrauen aufbauen (Kompetenz zeigen, nicht hetzen)
  • Ablenkung: Gespräche über andere Themen

→ Studien zeigen: 5 Min Beruhigung kann RR um 10-20 mmHg senken!

2. Lagerung

  • Oberkörper 30-45° hoch (reduziert venösen Rückfluss)
  • Bequeme Position (Schmerz → ↑RR)
  • Bei Atemnot: Aufrecht sitzen lassen

3. Umgebung optimieren

  • Lärm reduzieren (Blaulicht aus wenn möglich)
  • Temperatur: Nicht zu warm (Stress → ↑RR)
  • Privatsphäre: Neugierige Zuschauer entfernen
  • Angehörige: Einbeziehen wenn beruhigend (sonst: draußen)

4. Ursachenbeseitigung

  • Schmerzen lindern (z.B. bei Fraktur)
  • Enge Kleidung öffnen (Krawatte, Gürtel)
  • Blasenentleerung bei Retention (↓RR um ~10 mmHg möglich)

⚠️ Wichtig: Diese Maßnahmen ersetzen KEINE Medikamente bei RR >160 mmHg, aber sie reduzieren den Bedarf und verbessern die Wirkung!

→ 2-3 Min investieren, BEVOR du Urapidil gibst!

Phase 3 — Fallbeispiel 🚨

Einsatz: Hypertensiver Notfall

📟 Leitstelle — Einsatzmeldung
Montagmorgen, 07:45 Uhr, Wohnung 3. OG.

„RTW 14 A, Einsatz Osdorfer Strasse 23. 63-jährige Frau, starke Kopfschmerzen und Sehstörungen seit ca. 30 Minuten. Ehemann am Telefon, Patientin bei Bewusstsein."

Ihr trefft die Patientin im Wohnzimmer auf der Couch sitzend an. Sie hält sich den Kopf und klagt über starke, pochende Kopfschmerzen im Hinterkopf. Der Ehemann berichtet: „Sie hat seit einer Stunde Kopfschmerzen und sieht verschwommen. Sie nimmt eigentlich Ramipril und Amlodipin, hat die aber seit 3 Tagen nicht genommen."

Phase 3 — Fallbeispiel 🚨

Ersteinschätzung

HF
92
RR
228/125
SpO₂
97%
AF
18
GCS
15
BZ
142

Befund:

  • Starke Kopfschmerzen okzipital, pochend
  • Verschwommenes Sehen beidseits
  • Leichte Übelkeit, kein Erbrechen
  • Gesicht gerötet, Schwitzen
  • Keine motorischen Ausfälle, keine Sprachstörung
  • 12-Kanal-EKG: Sinusrhythmus, LVH-Zeichen

Frage: Was liegt hier vor — Hypertensive Krise oder Hypertensiver Notfall?

Phase 3 — Fallbeispiel 🚨

Therapieentscheidung

Deine Patientin zeigt einen hypertensiven Notfall mit Endorganzeichen (Kopfschmerz, Sehstörungen). RRsyst = 228 mmHg (≥160 mmHg), GCS 15.

Frage: Welches Medikament ist erste Wahl?

Phase 3 — Fallbeispiel 🚨

Dosierung & Titration

Richtig — Urapidil 5 mg i.v. langsam ist die korrekte erste Maßnahme!

Frage: Nach 2 Minuten misst du erneut: RR 210/118 mmHg. Kopfschmerzen bestehen weiter. Was tust du?

Phase 3 — Fallbeispiel 🚨

Verlauf

Du hast insgesamt 3 × 5 mg = 15 mg Urapidil i.v. titriert gegeben.

Nach der dritten Gabe:

HF
88
RR
186/102
SpO₂
98%

Die Patientin berichtet: „Die Kopfschmerzen werden besser, ich kann wieder klarer sehen."

Frage: Der RRsyst ist von 228 auf 186 mmHg gesunken. Wie bewertest du das?

Phase 4 — Deep Dive

CAVE & Nebenwirkungen

⚠️ CAVE — RR-Abfall!
  • Langsam titrieren! Immer nur 5 mg, dann 2 min warten
    Zu schneller RR-Abfall → zerebrale Minderperfusion → Synkope, Schlaganfall!
  • Blutdruckkontrolle VOR jeder Repetition!
  • Nie als schneller Bolus! Immer langsam injizieren
  • Aortenstenose: Absolute Kontraindikation!
    → Fixiertes Auswurfvolumen, Vasodilatation → kardiogener Schock!

Nebenwirkungen

❤️ Kardiovaskulär
Hypotonie, orthostatische Dysregulation, selten Bradykardie
🧠 Zentral
Schwindel, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Unruhe
🤢 Gastrointestinal
Übelkeit, Erbrechen (selten)
💉 Lokal
Thrombophlebitis an der Injektionsstelle (bei Dauerinfusion)
Vorteil gegenüber anderen Antihypertensiva
✅ Keine relevante Reflextachykardie (dank zentralem 5-HT1A-Agonismus)
✅ Kein Anstieg des intrakraniellen Drucks
✅ Gut steuerbar durch Titration
✅ Auch bei Schlaganfall und intrakranieller Blutung einsetzbar
Phase 4 — Deep Dive

Wechselwirkungen & Besonderheiten

Wechselwirkungen

  • Andere Antihypertensiva, Diuretika:
    → Verstärkte RR-Senkung → engmaschiges Monitoring!
  • ACE-Hemmer (z.B. Ramipril):
    → Additive Wirkung, besonders bei Erstgabe
  • Alkohol:
    → Verstärkte Hypotonie
  • Cimetidin:
    → Plasmaspiegel von Urapidil ↑ (Metabolismus gehemmt)

Besonderheiten

  • RR an BEIDEN Armen messen!
  • Bei Differenz gilt der höhere Wert
  • Kein Urapidil bei Hypertonie OHNE Symptome!
  • Schwangerschaft: strenge Indikationsstellung (Kategorie C)
  • Anwendung bei Kindern: keine ausreichenden Daten → NA-Kompetenz

Lagerung

🌡️ Raumtemperatur unter 25°C, lichtgeschützt
Ampullen sind nach Anbruch sofort zu verwenden
Phase 4 — Deep Dive

👥 Spezielle Patientengruppen

🤰 Schwangere

  • Urapidil ist erlaubt! (besser als unbehandelter Hypertonus)
  • ⚠️ Vorsichtig titrieren: Fetale Minderperfusion bei zu schneller RR-Senkung
  • ⚠️ Ziel: RR um max. 20% senken (wie Standard-Protokoll)
  • ⚠️ Bei Präeklampsie/Eklampsie: NA konsultieren (spezielle Protokolle)

👴 Senioren / Multimorbide

Standard-Dosierung MÖGLICH, aber:

  • Langsamer beobachten: 2–3 Min nach Gabe besonders achtsam
  • Standard-Dosis 5 mg gilt auch hier (laut BF HH Protokoll keine Ausnahme)
  • Cave: Erhöhtes Hypotonie-Risiko (Gefäßelastizität ↓)
  • Orthostase-Gefahr: Nach RR-Senkung NICHT sofort aufstehen lassen!

🫀 Niereninsuffizienz

Urapidil wird renal eliminiert!

  • ⚠️ Bei schwerer Niereninsuffizienz: Kumulation möglich (verlängerte Wirkung)
  • Standard 5 mg-Schritte laut Protokoll, engmaschiges Monitoring
  • Engmaschiges RR-Monitoring nach Gabe (alle 1 Min statt 2 Min)

💊 Vormedikation beachten

⚠️ Verstärkte RR-Senkung bei:

  • Beta-Blocker (Metoprolol, Bisoprolol)
  • ACE-Hemmer (Ramipril, Enalapril)
  • Nitrate (Nitroglycerin)

→ SAMPLER-Anamnese PFLICHT!

Phase 4 — Deep Dive

📊 Monitoring-Anforderungen

⚠️ PFLICHT vor Urapidil-Gabe!

Ohne komplettes Monitoring → KEINE Urapidil-Gabe!

Standard-Monitoring VOR Gabe

  • EKG (kontinuierlich, Arrhythmie-Detektion!)
  • RR (nicht-invasiv, beide Arme initial!)
  • SpO2 (Pulsoximetrie)
  • GCS (vor Gabe dokumentieren! KI bei ≤10)
  • BZ (Blutzucker-Check, Hypoglykämie ausschließen)

SAMPLER-Anamnese PFLICHT

  • S: Symptome (Kopfschmerzen? Sehstörungen? Brustschmerz?)
  • A: Allergien (gegen Urapidil bekannt?)
  • M: Medikamente (Beta-Blocker? ACE-Hemmer? Nitrate? → Verstärkung!)
  • P: Patientengeschichte (Aortenstenose? Niereninsuffizienz?)
  • L: Letzte Mahlzeit (bei V.a. ACS relevant)
  • E: Ereignis (Was ist passiert?)
  • R: Risikofaktoren (Diabetes? Raucher? Vorerkrankungen?)

Während & Nach Gabe

RR-Kontrolle:

  • Nach jeder Dosis: Sofort + nach 2 Min
  • Nach Ziel-RR erreicht: Alle 5 Min für 15 Min
  • Dann: Alle 10 Min bis Klinik

EKG-Monitoring:

  • Kontinuierlich (Arrhythmie-Risiko selten aber möglich!)

Symptom-Kontrolle:

  • Kopfschmerzen besser?
  • Sehstörungen weg?
  • Brustschmerz verschwunden?

⚠️ Bereitschaft vor Gabe:

  • i.v.-Zugang sicher liegend (nicht paravasal!)
  • Vollelektrolyt bereit (bei Hypotonie → Volumengabe!)
  • NA-Kontakt möglich (bei Komplikationen)
Phase 4 — Deep Dive

🔄 Therapieversager & Abbruchkriterien

Situation 1: 25mg Urapidil erreicht, RR immer noch >160 mmHg

NotSan-Grenze erreicht!

→ NA konsultieren!

  • NA kann weitere Urapidil-Gaben anordnen (bis 50mg total möglich)
  • Oder Wechsel auf anderes Antihypertensivum (z.B. Nitroprussid in Klinik)

Warum wirkt es nicht?

  • Zu schnelle Titration: 2 Min Abstand zu kurz? → 5 Min warten!
  • Schmerz/Angst nicht behandelt: → Nicht-med. Maßnahmen nachholen!
  • Sehr hoher Ausgangs-RR: (>220 mmHg) → braucht mehr Zeit
  • Zugrunde liegende Ursache: Phäochromozytom? Aortendissektion?

Situation 2: RR fällt ZU STARK (Hypotonie!)

RR <160 mmHg oder >20% Abfall → STOP!

  • 1. KEINE weitere Urapidil-Gabe!
  • 2. Lagerung: Beine hoch (Autotransfusion)
  • 3. Volumengabe: 250-500ml Vollelektrolyt über 5-10 Min
  • 4. RR-Kontrolle: Alle 1 Min
  • 5. Bei persistierender Hypotonie: NA konsultieren

Abbruchkriterien — Wann NICHT weiter titrieren?

Parameter Abbruchkriterium
RR systolisch ≤160 mmHg (Ziel erreicht!)
RR-Abfall >20% vom Ausgangswert
GCS Abfall um ≥2 Punkte
Maximaldosis 25mg durch NotSan erreicht
Symptomatische Hypotonie Schwindel, Schwäche, Synkope
Komplikationen Arrhythmien, Angina pectoris, Dyspnoe

Realistisches Ziel

Ziel ist NICHT RR 120/80!

Realistisches Ziel:

  • RR um max. 20% senken
  • Aber NICHT <160 mmHg
  • Symptomfreiheit (Kopfschmerz weg, Sehstörungen weg)

→ Weitere RR-Senkung dann in der Klinik (über Stunden/Tage!)

Phase 5 — Quiz 🧠

Wissenscheck!

Mal sehen, was hängengeblieben ist. 10 Fragen — manche leicht, manche knifflig. Viel Erfolg! 💪

Frage 1 / 10

Zu welcher Substanzklasse gehört Urapidil?

Phase 5 — Quiz 🧠

Frage 2 / 10

Wie hoch ist die Einzeldosis Urapidil?

Phase 5 — Quiz 🧠

Frage 3 / 10

Was ist die Maximaldosis Urapidil beim hypertensiven Notfall?

Phase 5 — Quiz 🧠

Frage 4 / 10

Warum löst Urapidil keine relevante Reflextachykardie aus?

Phase 5 — Quiz 🧠

Frage 5 / 10

Ab welchem RRsyst darf der NotSan beim Schlaganfall Urapidil geben?

Phase 5 — Quiz 🧠

Frage 6 / 10

Welche Aussage zur Kontraindikation ist korrekt?

Phase 5 — Quiz 🧠

Frage 7 / 10

Was muss VOR jeder Repetitionsdosis Urapidil erfolgen?

Phase 5 — Quiz 🧠

Frage 8 / 10

Um wie viel Prozent darf der RRsyst beim hypertensiven Notfall maximal gesenkt werden?

Phase 5 — Quiz 🧠

Frage 9 / 10

Wann ist Blutdruck-Messung an BEIDEN Armen besonders wichtig?

Phase 5 — Quiz 🧠

Frage 10 / 10

Ein Patient hat RRsyst 195 mmHg, Kopfschmerzen und Nasenbluten. Du vermutest einen hypertensiven Notfall. Was beachtest du bei der Urapidil-Gabe?

Zusammenfassung

💉 Urapidil — Take-Home-Messages

📝 Die wichtigsten Punkte

  • Standard-Antihypertensivum bei hypertensivem Notfall
  • α1-Blocker + zentrale Sympathikolyse → keine Tachykardie!
  • Keine ICP-Erhöhung → sicher bei V.a. Schlaganfall
  • IMMER vorher: Beruhigung + nicht-med. Maßnahmen (2-3 Min!)
  • ⚠️ KI: RR <160 mmHg, GCS ≤10, Aortenstenose
  • ⚠️ Bei V.a. Schlaganfall: RR <220 mmHg ist KI!
  • 💉 Dosierung: 5mg langsam i.v., alle 2 Min, max. 25mg durch NotSan
  • 🎯 Ziel: Max. 20% Senkung, aber NICHT <160 mmHg, Symptomfreiheit
  • 📊 Monitoring PFLICHT: EKG + RR (alle 2 Min) + GCS + SAMPLER

Quick Reference

Indikation: Hypertensiver Notfall (RR >160 mmHg + Symptome)
Dosierung: 5mg i.v. langsam, ggf. nach 2 Min wiederholen, max. 25mg
KI: RR <160 (<220 bei Schlaganfall), GCS ≤10, Aortenstenose
Ziel: Max. 20% Senkung, aber ≥160 mmHg, Symptomfreiheit
Vorteil: Keine Tachykardie, keine ICP-Erhöhung
WICHTIG: Beruhigung + SAMPLER VOR Gabe!

⚠️ Vor Gabe IMMER:

Beruhigung • SAMPLER • EKG • RR • GCS • BZ • i.v.-Zugang • Vollelektrolyt bereit

🎓 Merksatz

"5 Milligramm, 2 Minuten warten, 160 ist die Grenze, 25 die Maximale —
Beruhigung first, dann Medikation!"

Abschluss

✅ Lernziele erreicht?

📚 WISSEN
  • Wirkmechanismus erklären (α₁ + 5-HT₁A)
  • Indikationen + Schwellenwerte
  • Absolute KI benennen
  • Pharmakologie (HWZ, Elimination)
🎯 KÖNNEN
  • RR-Schwelle je Indikation bestimmen
  • Dosierung titrieren (5 mg-Schritte)
  • Monitoring durchführen (SAMPLER + EKG)
  • Hypotonie erkennen + behandeln
⚡ HANDELN
  • Selbstständige RR-Therapie
  • Spez. Gruppen berücksichtigen
  • Therapieversager managen

Quick Reference — Urapidil

ParameterHypert. NotfallSchlaganfallAortensyndrom
RR-Schwelle≥ 160 mmHg≥ 220 mmHgbeliebig + NA!
Dosis5 mg i.v., alle 2 Min5 mg i.v., alle 2 MinNA-Anordnung
Max. NotSan25 mg25 mg25 mg
Zielmax. 20%, ≥ 160max. 20%, ≥ 220 → ≥ 160RR < 120
KIGCS ≤ 10 · Aortenstenose · RR unter Schwellenwert
Ende der Unterrichtseinheit
Urapidil im Rettungsdienst — Fragen & Diskussion
🏆 Ergebnis

Geschafft!

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📋 Lokales Protokoll hat Vorrang bei Abweichungen · Alle Angaben ohne Gewähr · Stand 2026